Feministischer Monat: Epstein-Files, patriarchale Macht und Kampftag

Shownotes

TW: Sexualisierte Gewalt, Reden über Rassismus

Inhalte der Folge​:

  • Epstein-Files: sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch, Männernetzwerke und mediale Strategien.

  • Kirche & Epstein: Schweigen, Täterschutz, Umgang mit Betroffenen und Parallelen zu kirchlichen Strukturen.

  • Feministischer Kampftag statt Weltfrauentag: politische Kämpfe, Intersektionalität, warum „nett und blumig“ nicht reicht.

  • Britney, Lewinsky, Amber Heard: Frauen auf Rollen festgelegt, Männer bekommen neue Chancen.

  • Alltag: gleiche Muster in Familien, Gemeinden und Teams – „Welche Frau steckt dahinter?“.

  • Weltgebetstag & Nigeria: Chancen globaler Solidarität, Risiken von Saviorismus und weißen Deutungen.

  • Rassismuskritische Kirche: Bildsprache, Sprache, Spendenlogik und reale Partnerschaft auf Augenhöhe.

mit freundlicher Unterstützung vom YEET-Netzwerk ​

Transkript anzeigen

00:00:00: Stachel und Herz, der Podcast mit Sarah Wetscherer und Thea Hummel. Wir wollen Kirche zu einem safer Space machen. Dafür legen wir den Stachel in die Wunde. Mal mit Gästinnen, mal zu zweit aber immer mit Herz. Hallo und herzlich willkommen bei Stachel und Herz. Hallo, schön, dass ihr wieder da seid. Wir freuen uns, in diesen feministischen Monat mit euch einzusteigen. Und das Schöne am März finde ich ja, es ist ja nicht nur feministischer Kampftag, es ist auch internationaler Tag gegen Rassismus. Das ist einfach ein fantastischer Monat Und am Ende des Monats fahre ich in Urlaub das ist auch die Schütze daran. Richtig, bis dahin ist unser Terminkalender richtig voll.

Und dann geht's ab in die Sonne. Habe ich gerade schon im Flur zu dir gesagt. Wir freuen uns total darauf. Als Family, alle so, als ob unser Leben sonst so schrecklich wäre, ist es ja nicht.: Urlaub ist aber auch schön. Ja und das Schönste ist ja, wenn wir dann im Urlaub sind, dann streiten wir uns erst mal, ne? Weil dann haben wir so Zeit dazu und so, ne, so man freut sich so riesig darauf. Plötzlich alles sacken. Ja, geht uns aber gut, wir wissen ja, dass es kommt und wir wissen damit umzugehen. Und ihr wisst auch, dass das Streiten dann ein Ende hat. Ja Streit ja auch dazu, ne? Ja, das stimmt Also Paare, die sich gar nicht streiten, ist ja auch. Suspekt. Ja, das ist so, dann hat man es aufgegeben vielleicht. Ja, und das ist vielleicht auch ein Indiz also redet ihr überhaupt miteinander? Seid ihr immer einer Meinung Okay, vielleicht gibt es ja trotzdem, also ich will jetzt hier nicht schämen, vielleicht gibt es trotzdem Paare die sich einfach nie streiten. Ja, Glückwunsch. Kann es auch sein. Ja, klar. Gibt es bestimmt. Also wäre es nichts für mich.

Also eine Sache noch, bevor wir mit dem Stachel einsteigen. Liebe Leute, wir stellen euch, wir arbeiten bei der Feinden-Evangelischen Mission, wie ihr wisst, wir stellen auch manchmal die Arbeit, unsere Arbeit vor und so weiter und so fort. Und wenn ihr das: erzählen wie toll es hier ist, was für eine tolle Kaffeemaschine wir haben und wie es für schöne... Wundervolle KollegInnen wir haben. Ja, und auch, also dieser Podcast, da denken ja manchmal Leute, das machen wir so als unser Privatvergnügen. Nein das ist unser Job. Wir Sachen als Job machen. Das ist schon echt cool. Also auch, was ich gerade auch so aus der internationalen Gemeinschaft der VEM so gelernt habe, wie sich meine Weltsicht und viele Dinge auch, die hinsichtlich Machtmissbrauch, Diskriminierung Rassismus und so verändert haben, das ist einfach ich wäre nicht die, die ich wäre, wenn ich hier nicht so lange arbeiten würde und ich weiß auch, um ehrlich zu sein, nicht Wo es so schön in der Kirche ist, wie hier.

Also, lange Rede kurzer Sinn. Wenn ihr im Bereich Öffentlichkeitsarbeit arbeitet und gerade auf Jobsuche seid, schaut doch mal bei uns auf der Website nach, bei unseren Stellenausschreibungen. Wir suchen nämlich gerade in diesem Bereich Leute. Oder wenn ihr Leute kennt, die das interessieren könnte. Oder wenn ihr euch sowieso: öfter denkt, boah, Sarah und Thea, Thea und Sarah, die hätte ich total gerne als Kollegin. Also ihr müsst schon ein bisschen Ahnung haben in dem Bereich. Es wäre auch sowieso cool, mal da zu arbeiten. Und irgendwie, Wuppertal ist auch eine super Stadt. Man muss übrigens hier nicht wohnen in Wuppertal wenn man hier arbeitet, tue ich ja auch nicht. Man kann aber auch in Wuppertal wohnen Das ist gar nicht so schlimm. Ja, also ich kann mir nicht vorstellen, aber muss man nicht. Viele Kolleginnen wohnen auch gar nicht hier, sondern kommen nur zum Arbeiten hin. Zum Arbeiten ist auch total schön, du guckst einfach immer aus dem Fenster und regnet. Du denkst halt nie, boah, wie gerne wäre ich draußen in Wuppertal, sondern du kommst wirklich effektiv zum Arbeiten hier hin. Also, es gibt nicht nur Darstellen. Nur weil es heute aus, zufällig regnet, Sarah. Zufällig Nein, es regnet schon häufig hier. Also, lange Rede, kurzer Sinn, wir haben öfter mal Stellen, guck doch mal rein, es ist einfach schön. Ja gerade in diesem Bereich mehrere Stellenausschreibungen, also Öffentlichkeit Arbeit, Fundraising und so weiter, wenn das so euer Ding ist, schaut doch mal vorbei.

Yes yo. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch nicht: bei uns. Nein bitte nicht bei uns, um Gottes Willen. Nein ihr könnt euch auch gerne bei uns melden. Aber wir verweisen euch dann nur weiter. An Leute, die Ahnung haben. So, genug lieb gewesen, wir kommen zum Stachel. Vorab eine Trägerwarnung, wir sprechen gleich kurz über sexualisierte Gewalt und Ausbeutung, denn in dieser Folge geht es um den feministischen Kampftag und wir haben die Folge schon aufgenommen, volle Transparenz, und jetzt haben wir aber das Intro und da wollen wir über ein Thema sprechen, was gerade ganz, ganz groß in den Medien ist, und zwar die Epstein-Akten.

Das sind über drei Millionen Seiten plus unter anderem mehr als 2000 Videos, 180.000 Bilder, also zusammen: nahezu 3,5 Millionen Seiten. Und das ist ja schon alleine das, ist ja schon so eine Überflutung an Nachrichten, was ja auch so Teil der Strategie ist. Es ist so viel, es gibt ja super viele investigative JournalistInnen, die sich da seit Wochen jetzt auch schon, also Ende Januar wurden ja veröffentlicht, die da seit Wochen irgendwie durchkämpfen und so und gucken. Und da ist ja noch total viel geschwärzt. Total, ja und vor allem übrigens Täter als Betroffene, also es hieß dann ja am Anfang irgendwie, ja das ist um Betroffene zu schützen und dann kam immer wieder so auf so, huch da steht ja noch ein Name, ach da auch und dann haben sie wieder welche Files rausgenommen, geschwärzt wieder reingenommen Komplett geschwärzte Seiten auch Aber die Täter sind ordentlich Geschwärzt.

Aber nicht alle, denn es treten ja auch so peu a peu, man kriegt so wöchentliche Nachrichten seitdem wo dann jemand irgendwie zurückgetreten ist oder so. Du hast da gerade nochmal nachgeguckt. Also auch so im politischen sind: da Ja, zum Beispiel der Der Botschafter Großbritanniens in die USA, Peter Mendelssohn, der wurde gefeuert weil er in den Epstein-Files vorkam. Übrigens wenn man in den Epstein-Files vorkommt, heißt es nicht automatisch, dass man Täter ist. Ja, Mette Maron kommt ja auch davor Obama kommt zum Beispiel ganz oft vor, aber deswegen, weil ganz viel über ihn gelästert wird. Also er wird halt häufig als Gesprächsthema, aber er war zum Beispiel nicht bei den Partys. Und trotzdem muss ich sagen, so wie darüber geredet wird, auch in den Medien, das finde ich schon, also gerade bei Obama gab es dann ja so Videos, ne, Guess Who's Not In The Fire. Ja ja ja. Und dann so triumphierende Videos von Obama, die eher nicht selber, wo Leute Memes draus gemacht haben, ne. Und da muss ich sagen, also im ersten Moment fand das witzig trivialisiert das auch, ja.

Ja zuerst fand ich schon auch witzig aber dann dachte ich mir, nee, also kriegen jetzt Menschen, Männer, einen Lob dafür, dass sie nicht da drinstehen. Also in welcher Welt leben wir eigentlich, dass du irgendwie eine Trophäe bekommst, weil du nicht da in diesem… The bar is very low. Ja, very, very low. Und das finde ich schon… Ja auch.: Finde ich total krass. Es gibt zwei Folgen vom Podcast Fear the News. Hier, na sag mal schnell, Sascha Lobo hat da gesagt, das ist auch wie so eine Zeitenwende, diese Files wie die veröffentlicht Ja, weil zum Teil auch Leute drin sind ne? Also Noam Chomsky war für mich total wichtig, so als junge Studierende.

Ich habe ja auch ein Semester Linguistik studiert. Das war zum Scheitern verurteilt, aber trotzdem, also auch einfach als linker Denker war er einfach super, super wichtig für mich. Und der kommt ja nicht nur irgendwie vor, sondern der war ja wirklich eng befreundet mit Jeffrey Epstein. Und das Krasse finde ich vor allen Dingen, dass die Leute, die wirklich sehr offensichtlich und sehr prominent und sehr häufig vorkommen wo ganz klar war, das waren enge Freunde, die waren auf den Partys die waren auf der Insel, die waren im: Privatjet und da gibt es mehrere Zeugenaussagen, dass sie sich schuldig gemacht haben. Wie zum Beispiel Donald Trump. Also irgendwer hat also irgendwer hat das mal gezählt. Also... Wie oft er vorkommt in den Akten. Ja öfter als Harry Potter Öfter als Harry Potter in der gesamten Harry-Potter-Buchreihe. Öfter als Jesus in der Bibel genannt wird. Also das ist schon echt, echt sehr auffällig Und der ist einfach weiterhin Präsident der USA.

Es gibt kein Amtsenthebungsverfahren, nichts. Die einzige Person übrigens, das habe ich auch gesehen, das finde ich echt beachtlich, die einzige Person, die im Knast sitzt gerade, aufgrund der Epstein-Sachen, ist Glenn Maxwell. Ja Seine ehemalige Partnerin und eine Frau. Die ganzen Männer, also die sind zu Recht im Knast, sie ist absolut richtig, dass sie im Knast sind, aber sie ist halt die Einzige die im Knast ist, diese ganzen Männer, die schuldig: sind, okay, Andrew ist jetzt kein Prinz mehr, wow, das ist ja richtig, richtig schlimm. Wurde ihm schon vorher aberkannt. Das war nicht erst jetzt. Ja aber auch, weil er schon vorher bekannt war, dass er sich da schuldig gemacht hatte. Ja gut, das Beispiel mit der Frau finde ich halt eher so, würde ich eher so in die Richtung deuten, dass auch Frauen einfach nicht unschuldig sind per se weil sie Frauen sind. Also deswegen bin ich da so ein bisschen vorsichtiger als du. Ja gut, aber sie ist wirklich nach wie vor die Einzige die im Knast sitzt. Also Frau hin oder her. Ich finde so die Files zeigen halt sehr, sehr deutlich, wie Männernetzwerke und Krisen-PR funktionieren. Also Epstein soll sich sogar dafür interessiert haben, wie man den Impact von MeToo managt.

Also als Backlash-Strategie gegen feministische Gegenwart. Und das sind solche Sachen, die finde ich schon echt erschreckend die da so zu Tage kommen und ... Ja, also, und dann finde ich es irgendwie krass, ich habe da auch bei Instagram: was zu gepostet gehabt mal, dass ich so aus der Kirche sehr wenig dazu höre. Ja. Und das hat mich auch nochmal sehr nachdenklich gemacht, weil ich so dachte, ist das nicht unser Thema? Also ist Forumstudio jetzt schon so lange vorbei? Oder man sagt irgendwie, naja, das hat ja nicht direkt was mit Kirche zu tun. Und ich finde gleichzeitig aber, hat es doch sehr viel mit Kirche zu tun. Also, wie werden Täter geschützt und so weiter? Das sind ja schon auch, wie werden Betroffene auch, wie wird mit ihnen umgegangen? Wie werden sie auch exponiert und so? Also, wie versucht man auch irgendwie, Macht abzuschirmen und Täter zu schützen und so? Und was ich auch nochmal krass finde, ist, also, es gibt ja… Viele Betroffene, die auch schon vor Jahren ausgesagt haben.

Und diesen Frauen wurde nicht geglaubt. Erst jetzt, wo die E-Mails rauskommen,: redet man darüber und werden die Täter bloßgestellt. Und das finde ich schon auch noch, den Frauen glaubt man nicht. Erst wenn man es schwarz auf weiß in E-Mails sieht, wenn die Leute sich selbst quasi zeigen, dann wird es Und ich finde auch zum Teil, finde ich das richtig krass wie über die Betroffene gesprochen wird. Also was mich, wo ich jedes Mal wirklich das Kotzen kriege ist, wenn von minderjährigen Frauen gesprochen wird. Das sind Kinder, das sind Kinder, Jugendliche Es sind also diese Verharmlosungen und das wird so

Ohne es zu hinterfragen übernommen, auch von deutschen Medien. Das ist wirklich, also die ganze Sache ist einfach so ekelhaft. Genau, also deswegen bleibt da aufmerksam. Verfallt nicht in die Tendenz, auch ist alles zu viel, will ich nichts mehr zu tun haben. Seht die Zusammenhänge auch in Kirche und auch in Deutschland und sagt: nicht, das ist weit weg. Das sind Strategien, das sind Verhältnisse, das ist Machtmissbrauch, das ist Gewalt die gesamtgesellschaftlich unsere Gesellschaft leider durchzieht auf allen Ebenen Also es hat mehr mit uns zu tun als wir meinen. Und jetzt geht es weiter mit der Folge. Ja und zu der Folge muss man ja nochmal sagen, wir hatten ja auch eine Gästin. Richtig. Unsere Praktikantin Frieda ist zu Wort gekommen, die bislang jüngste Stimme bei Stachel und Herz. Und im Hintergrund seht ihr, hört ihr unsere Pausenklingel. Die Pause ist vorbei, wir gehen rein in unsere Folge zum Feministischen Kampftag, zum Weltgebetstag der Frauen. Wir sind gespannt, was ihr sagt. Schön, dass ihr dabei seid.

So, kommen wir zum Thema. Mir ist in den letzten Wochen so: ein Reflex aufgefallen, den wir alle kennen. Aber wenn man ihn einmal sieht, dann sieht man ihn überall irgendwie. So wie Schwangere in meiner Schwangerschaft. Hast du auch überall dann Schwangere gesehen? überall Schwangere gesehen in deiner Schwangerschaft Ich nicht mehr an diese Zeit erinnern das ist... Das war eine sehr vage Zeit für mich. Ich war nicht so ganz auf der Höhe. Das ist auch schon länger her. Ja aber Entschuldigung, was siehst du jetzt Mein gerade elf geworden. Also, ein Mann macht etwas, sagt etwas, positioniert sich und die erste Frage die öffentlich gestellt wird, ist nicht, warum macht er das, sondern, welche Frau steckt dahinter? Also, ich nenne gleich ein Beispiel. Also, die Frage ist dann, welche Frau hat ihn beeinflusst, manipuliert gegen jemanden aufgebracht, verdorben was auch immer. Und ich finde das so spannend, weil es gleichzeitig zwei Dinge tut. Also, es nimmt Männern die Verantwortung ab und es macht Frauen zu Sündenböcken.

Und zwar unabhängig davon, ob die Frau: sympathisch ist oder nicht. Und es reicht, dass sie irgendwie im Bilde sind. Ja, und ich merke gleichzeitig, wie sehr das in so unterschiedlichen Welten auch passiert. Also in der Popkultur, da sieht man das relativ sofort und da gibt es ja jetzt auch auf Instagram und so weiter nicht Memes, es gibt Schlagzeilen dazu, man kann das in Kommentarspalten beobachten. Aber das passiert auch in anderen Kontexten auch in der Kirche und sonst so in der Gesellschaft, da passiert das dann auch etwas subtiler und das finde ich schon auch interessant, weil das nimmt ja alles so auch die Frage auf, wer wird zum Problem markiert und wer bleibt auch unsichtbar so ein bisschen auch aus Schutz, also nicht jetzt wie bei … Wie beim Thema Rassismus jemanden unsichtbar machen, sondern da ist es ja ein Schutz, weil man wird plötzlich nicht mehr benannt, weil die böse Frau steht im Vordergrund.

Also, wir nennen mal so ein paar Beispiele. Zur Transparenz, wir nehmen im Januar auf, deswegen, wenn: diese Folge erscheint, ist das vielleicht nicht mehr ganz so aktuell, aber vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, weil es war riesig Aber zunächst einmal, nein, wirklich, wir sagen auch gleich warum. Und wir wissen nicht, was bis März passiert. Das wissen wir nicht. Das stimmt. Das kann alles noch passieren. Vielleicht bricht der Dritte Weltkrieg aus. Aber nee, sowas schwör mir nicht herbei. Das wird nicht passieren. Du hast in unserer vorletzten Folge über deinen eigenen eventuellen Tod gesprochen Ja und ich lebe noch. Ist das nicht toll? Also hier wird nichts herbeigeschworen. Nein, nein. Ich habe ja auch nur gesagt, falls es eintritt. Ich habe ja nicht gesagt, dass ich sterben werde. Das hast du mit dem Dritten Weltkrieg jetzt auch so gesagt. Ich habe gesagt, das könnte passieren in der Zeit bis zur Veröffentlichung dieser Folge.

Das ist nicht herbeischwören. Egal Wir wollen vorher einmal kurz vorweg sagen, aus welcher Ecke wir hier erstmal sprechen. Also wenn wir von Feminismus sprechen, da sagen wir nicht, Frauen sind immer Opfer: oder Frauen sind automatisch die Guten. Sondern es geht uns darum, Wer wird nach welchen Maßstäben beurteilt? Wer darf widersprüchlich sein? Wer bekommt Komplexität zugestanden? Und wer wird moralisch platt gemacht? Wo wird vereinfacht? Wo wird schwarz-weiß gedacht? Und gerade am feministischen Kampftag, anlässlich dessen wir diese Folge aufnehmen, ist es leicht in so eine Plakatlogik sag ich jetzt mal, zu rutschen.

Also uns interessiert vor allen Dingen, wie fühlt sich das im echten Leben an? Wie funktioniert das in unseren Köpfen und auch in unseren Institutionen? Jetzt hast du gerade feministischer Kampftag gesagt. Ich glaube, das ist etwas Erklärungs... Dürftig, bedürftig. Ich weiß noch, dass ich irgendwie vor ein zwei Jahren oder so an dem Tag dann auch ein Reel gepostet habe, weil ich schon sagen muss, dieses Wort feministischer Kampftag ist auch gerade so in polarisierenden Zeiten, kann ich: mir auch vorstellen, dass der sehr triggert. Aber vielleicht noch mal kurz, warum sagen wir nicht Weltfrauentag, sondern feministischer Kampftag und warum ist das auch wichtig? Also ich finde, Weltfrauentag klingt halt sehr schnell, sehr Ähm, so nett, blumig ne Frauen kriegen ja auch oft dann so eine Rose an dem Tag, wenn sie irgendwo einkaufen gehen oder so, was ja auch wirklich nett gemeint ist, aber es klingt halt auch sehr unpolitisch und wird halt eben, an dem Beispiel mit der Rose wird das deutlich auch schnell so mit, ähm, zum Marketing verwendet, ähm, weiß nicht, gibt's auch mehrere Kosmetikprodukte vielleicht dann auch oder, oder blumenbilliger oder so, oder ne, also irgendwie so Wohlfühl-Posts und, ähm und dahinter steckt ja so ein bisschen der Gedanke, naja, wir haben ja eigentlich schon gerade so in unserem Breitengraden haben ja längst so, ähm die Gleichberechtigung.

Und feministischer Kampftag der erinnert daran, worum es historisch und auch heute geht. Ja, es geht um erkämpfte Rechte um laufende, immer noch laufende Auseinandersetzungen mit oder gegen Sexismus, gegen Gewalt, gegen: Femizide, gegen Abwertung gegen strukturelle Benachteiligung. Und es geht eben auch um Solidarität, die auch Klassismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und so weiter mitdenkt also intersektional. Und der Begriff der macht nochmal sichtbar, dass das kein Symboltag ist, sondern ein politischer Tag. Und die Kämpfe sind nicht für alle gleich verteilt. Und deswegen ist auch, wenn man sich, und das kenne ich auch von mir, unwohl fühlt mit diesem Begriff feministischer Kampftag, weil das so kämpferisch klingt und ich mich auch jetzt nicht so als Kämpferin bezeichne, auch wenn viele auf Instagram das vielleicht anders sehen würden. Ja. Ist es trotzdem wichtig, auch den zu benennen, um das eben nicht so zu verblumigen. Aber genau, du hast gerade von Feminismus gesprochen, um nochmal dahin zurückzukommen. Feminismus ist in dem Moment am wichtigsten wo es eben nicht bequem ist. Also wo er uns zwingt die eigene Sympathie nochmal irgendwie...

Kurz auch irgendwie abzustellen oder auch die eigene Rolle oder das Bedürfnis nach einer einfachen Geschichte auch eben nicht: jetzt so in den Mittelpunkt stellt, weil es eben viele patriarchale Muster sich genau auch darum drehen ja, von so einfache Geschichten ja. Also auch so um so viele einfache Bilder, die wir so kennen, ja. Die Mutter ist schuld, die Ehefrau ist schuld die Frau ist zu kalt, zu emotional, zu gierig zu sexy, zu dünn zu dick, zu zornig zu wütend, zu lieb zu instabil und so weiter, ja Also Frauen werden ja nie dem gerecht was sie eigentlich sind. Und der Mann der ist irgendwie einfach, ja, weiß ich nicht, passiert. Der ist einfach so, ja. Und das schauen wir uns jetzt nochmal eben an deinen jetzt schon, die Leute sind ja schon sehr gespannt, ne welches popkulturelle Bild Beispiel oder Beispiele haben wir da mitgebracht und weswegen sind wir auf dieses Thema gekommen. Jetzt du, du darfst es aussprechen Also ich weiß nicht, wie es für dich ist, aber die Spice Girls waren für mich als Millennial sehr wichtig damals.

Ja, für mich ja vor allem Mel B, die war ich auch immer. In der: Schule, wenn wir die Spice Girls nachgetauscht haben, alle konnten sich eine Rolle Selbst ich war Mel B. Alle konnten sich eine Rolle aussuchen, Sarah war Mel B. Wer sollte sonst Mel B sein? Also als ich zwölf war, war mein Spice Girls T-Shirt wirklich der wichtigste Besitz für mich. Also es war sehr wichtig für mich. Naja, egal. Also das Beispiel, ihr habt es vielleicht schon erahnt vielleicht erinnert ihr euch. Es geht nicht um Mel B. Es geht nicht um Mel B, sondern es geht um das Beckham-Drama von Anfang 2026, also Anfang dieses Jahres. Also wir haben die Familie Beckham. David und Victoria, das ist auch so ein Ding.

Allein dieses Paar Also das, was Victoria oder was die Spice Girls für uns, das ist jetzt sehr stereotypisch gedacht, aber das war David Beckham für Fußballfans. Also ich will jetzt nicht so nach dem Motto die: Jungs hatten David Beckham und die Mädchen hatten die Spice Girls, aber es ist schon so ein bisschen so, sie als Paar decken einfach Eine ganze Generation ab, an Fandom, sag ich jetzt mal so. Ja und David Beckham, der stand ja auch noch mal für einen Mann, der nicht so toxisch männlich war. Also der war Fußballer aber der hat auch Kennst du noch den Begriff metrosexuell? Ja, genau, dafür stand er doch auch. Genau er war der Posterboy für metrosexuell. Und das war auch so witzig weil er war einfach nur ein stylischer Mann, der gut gepflegt war Und dann wurde so ein Wort erfunden, um das irgendwie beschreiben zu können, an dieses Phänomen.

Er keinen Tölrock getragen oder so. Einfach nur dieses Phänomen eines Mannes der vielleicht mal andere Frisuren ausprobiert Der auch regelmäßig duschen geht nach dem Training. Genau, metrosexuell, okay. Nee aber hast du die Doku gesehen auf Netflix? Ich habe mir die David Beckham-Doku eigentlich nur angeguckt wegen Victoria Also ich habe mir diese ganze Fußball-Misere da angeschaut, obwohl ich mich ja null für Fußball Ich kenne: so paar Memes daraus. Weißt du wo er sie fragt wo er sie darauf hinweist dass sie doch mal erzählen soll, in was für einem Auto sie zur Schule gefahren wurde. Weil sie so tut, als wäre sie irgendwie so voll Arbeiterkind und sie wurde aber im Rolls Royce zur Schule gefahren. Ja das war auf jeden Fall, genau, habe ich da mit meinem Mann geguckt, weil der ist natürlich Fußball, nicht natürlich, der ist Fußballfanat Der Fußballfanat Deswegen war das so eine Doku, die wir zusammen geguckt haben, aber ich habe sie eigentlich nur wegen Viktoria geguckt. Also, die Familie Beckham, David und Viktoria Beckham, super öffentlich, seit Jahrzehnten eine Art Marke die Familie so als Image. Und dann kommt Brooklyn, der älteste Sohn Der hat 2022 Nicola Peltz geheiratet Sie kommt selbst aus einer sehr reichen, sehr medienerfahrenen Familie und schon damals gab es rund um diese Hochzeit Gerüchte über Spannungen.

Wer hat welchen Platz, wer entscheidet was, wer bekommt Aufmerksamkeit, trägt sie das Kleid was: Victoria entwerfen soll und so weiter und so fort. Und weil es eben nicht irgendeine Hochzeit ist, wird das nicht privat ausgetragen, sondern es wird permanent öffentlich gespiegelt. Jede Körperhaltung wird gelesen, jedes Foto, jede Abwesenheit aus einem Foto und daraus entsteht im Netz so eine Dramaturgie. Schwiegermutter gegen Schwiegertochter Diese Spannung ist schon immer da Sie hat das Kleid dann ja auch nicht getragen. Nee, sie hat dann Valentino getragen. Weil es nicht rechtzeitig fertig war oder so. Ja, das ist halt eben das, was man nicht so genau weiß. Weil anderswo liest man im Netz, dass das mit dem Valentino-Kleid auch schon längst geplant war. Dass sie auch mehrere Fittings hatte und so weiter und so fort. Also Valentino-Kleid kriegst du ja jetzt eigentlich von heute auf morgen. Du kriegst das nicht mal eben von der Stange. Das wurde, genau, das ist ein, so. Also Anfang 2026, dann kommt ein öffentliches Statement von Brooklyn. Und er postet sinngemäß, ich liebe meine Frau, ich stehe zu ihr, ich werde sie immer verteidigen.

Und es ging halt nicht: nur um seine Ehe und darum, zu seiner Frau zu stehen, sondern auch um eine klare Abgrenzung von den Erwartungen seiner Eltern und von diesem öffentlichen Bild der perfekten Beckham-Familie. Also der Idee, dass ihre Beziehungen Auftritte Loyalitäten auch immer Teil von dieser Marke Beckham sind, die nach außen funktionieren muss. Und eigentlich, wenn man so will, ist das, egal wie man es findet und egal, was davon wahr ist oder nicht, ist das ein erwachsener Move. Also ein Mann sagt, wo er steht, aber genau diese Handlung wird ihm nicht als erwachsen zugerechnet. Ja genau, und das ist auch so wichtig. Die Frage ist jetzt irgendwie nicht darin ja auch, wer hat recht mit dem Kleid jetzt zum Beispiel, sondern wir kennen diese Details ja gar nicht.

Wann das eine Kleid nicht da war und das andere Kleid dann doch da war Und mit dem Hochzeitstanz hast du das. Ja genau, genau, ja genau, der Hochzeitstanz ja auch. Dann hat sie mit Brooklyn, also Victoria hat mit Brooklyn getanzt und nicht die Braut und sie hat ja: wohl die Show gestohlen, Hochzeitstanz und so weiter. Alles juicy. Ja, aber man kann ja auch generell mal so eine Hochzeit überhaupt in Frage stellen. Also dieses ganze Konstrukt von so schönen Hochzeiten ja, in Anführungsstrichen die sind ja alle patriarchal geprägt, also da kannst du eine ganze Folge von machen, ne? Der Schleier, wer führt wen zum Altar und wer tanzt und wie und wo. Und mit dem Brauchstrauß. Genau, also es ist ja alles so eine in Anführungsstrichen Traumhochzeit ist eh ein patriarchales Die Übergabe quasi. Genau, also jedenfalls so. Darum geht es aber ja gar nicht, ne? Also wir kennen die ganzen Details nicht, warum hat Victoria mit Brooklyn getanzt und nicht seine Frau und so weiter.

Und uns interessiert aber, wie die Öffentlichkeit eben, und darum geht es uns jetzt hier, wie die Öffentlichkeit daraus jetzt so eine Geschichte baut, ja? Nicht was wirklich passiert ist, sondern das, was man eben dann auch wirklich da in vielen Fällen auch sehen kann,: ja? Brooklyn wird nicht als... Handelnde Person gelesen in all den Schlagzeilen und Memes und sowas alles und auch im Internet und so, sondern im Prinzip ist Brooklyn, der Sohn die Spielfigur. Also nicht aktiver Part, sondern er ist jemand, der eingefangen wurde. Und plötzlich dreht sich alles um diese zwei Frauen, die gegeneinander gestellt werden. Also die Öffentlichkeit greift dann eben auf diese extrem vertrauten Rollenbilder zurück, ja, Victoria Beckham wird zu der kontrollierten, oder nicht kontrollierten zu der kontrollierenden Mutter gemacht, die nicht loslassen kann, die den Sohn besitzen will, die sich in alles einmischt, also und dieses Bild, das kennt man auch aus verschiedenen Filmen und auch so, das kennt man generell so, die böse Schwiegermutter so ungefähr, ne.

Und gerade von Jungs dann, und Nicola Pelz wird zur manipulativen Ehefrau gemacht, das ist auch so ein Bild, was wir aus Filmen und: Serien und so kennen, ja, die ihn gegen die eigene Familie aufhetzt so, also die eine ist manipulativ und die will ihn jetzt entfremden, sie hält die Fäden und zieht die Strippen im Hintergrund und in beiden Rollenbildern steckt auch so eine alte Angst, ja, dass Frauen… Macht haben könnten. Und wenn Frauen Macht haben, dann muss diese Macht entweder lächerlich gemacht werden, die nervige Mutter, oder dämonisiert werden, die böse Strippenzieherin. Und Brooklyn ist auch total interessant. Der hat das Ganze jetzt öffentlich gemacht im Januar. Das war sein Statement. Weder Victoria noch Nicola sind da überhaupt zu Wort gekommen.

Er schmeißt das also in die Öffentlichkeit und dann verschwindet er. Und spricht übrigens auch über seinen Vater in dem Statement. Er sprach über diese Geburtstagsparty von seinem Vater und so weiter, was da angeblich irgendwie so... Aber der über David spricht keiner.: Keiner spricht über David. Also Und Brooklyn hat jetzt angeblich gar keine Entscheidung getroffen, obwohl er da derjenige war, der das öffentlich gemacht hat. Und das ist für mich so ein Moment, wo ich denke, das ist ja jetzt nicht nur irgendein Gossip, sondern das ist ja weitaus mehr. Das zeigt auch sexistische Strukturen, das zeigt Misogynie, das zeigt einen Frauenhass. Und weil wir da alle irgendwie auch live hingesehen haben und das auch irgendwie mittragen und mitschreiben in der Öffentlichkeit. Ich habe auch Memes hin und her geschickt Denke ich auch. Aber nicht so öffentlich gepostet. Nein. Und das zeigt dann eben auch, dass da auch eine Verantwortung in der öffentlichen Wahrnehmung und auch der Fortführung dessen liegt. Ja, und ich finde daran auch spannend, wie paradox das ist. Also, weil patriarchale Logik sagt ja ständig...

Männer sind die Rationalen Männer sind die Unabhängigen, sie entscheiden und gleichzeitig,: sobald ein Mann emotional handelt, also wenn es um Loyalität, Liebe, Abgrenzung geht, dann wird er plötzlich als fremdgesteuert gelesen. Also es wirkt auf den ersten Blick wie Männer werden entmündigt, aber in Wirklichkeit ist das ein Mechanismus der Frauen bestraft, weil am Ende beide Frauen den Shitstorm abbekommen und das ist der eigentliche Punkt. Frauen können einfach nicht gewinnen in dieser Dramaturgie. Die eine ist zu viel, die andere ist zu manipulativ und gleichzeitig, wir als Publikum fühlen uns moralisch überlegen, weil wir urteilen können über diese beiden Frauen Aber denkst du, dass dann, dass Männern... Ist Brooklyn das so bewusst gewesen?

Nee, ich glaube, niemandem ist das so bewusst gewesen. Aha, außer uns. Achso, wir haben das Ganze durchschaut. Nein, mir ist es auch... Ich anfangs nicht so bewusst gewesen. Ich fand das einfach nur mega juicy, so als Gossip. Ich habe auch die witzigen Memes hin und her geschickt natürlich nicht öffentlich, aber halt schon, ich fand das schon auch witzig zu: verfolgen, weil, also das war ja auch zu einer Zeit, als in der Welt, es ist ja auch zu einer Zeit als in der Welt einfach so viel Schlimmes los ist. Und da ist es einfach mal so eine Story, die einfach nichts mit meiner Realität zu tun hat, die mich nicht betrifft in irgendeiner Weise. Ja, hier wird mal nicht, hier werden mal nicht Zivilisten auf offener Straße erschossen und ein dritter Weltkrieg steht bevor wegen Grönland oder sowas sondern es ist einfach nur so ein bisschen Celebrity Gossip Wenn man sich das genauer anguckt sind da genau eben diese Narrative die da auch reproduziert werden.

Also auf den ersten Blick wirkt das einfach wie witziger Gossip und ein Spice-Girl und wieder der Tochter gegeneinander. Und deswegen finde ich das so wichtig, dass wir darüber reden, weil letztendlich hat jetzt, ich weiß nicht, ob man das so sagen darf, aber ganz ehrlich, Grönland... Und: alles, was so weltpolitisch passiert, hat ja jetzt auch erst mal nichts mit meinem Daily Life zu tun. Also klar macht das was mit mir. Und auch da müssen wir Verantwortung übernehmen. Und auch, was wir öffentlich dazu, wie wir Stellung beziehen, wo wir auch demonstrieren unsere Stimme erheben und so. Und natürlich ist das total wichtig, unbedingt. Aber letztendlich hat das auch nicht Einfluss auf meinen Tagesablauf, wenn ich ganz ehrlich bin. Und gleichzeitig macht es ja was mit uns. Wir sind ermüdet von den Nachrichten Wir haben Angst und so weiter. Und dann kommt so was daher, was uns augenscheinlich irgendwie amüsiert. Ein bisschen Ablenkung. Und eigentlich hat diese Struktur vielleicht viel mehr mit meinem täglichen Leben zu tun, weil Frauenhass

Das extrem viel mit meinem Leben zu tun. Und das ist ja auch, es gibt ja eben nicht nur diesen einen Fall, sondern es gibt ja ganz viele Beispiele Eben es: ist halt ein Muster. Also wir haben mal so ein paar Beispiele mitgebracht. Zum Beispiel Britney Spears. Ja, sehr prominentes Beispiel. Haben wir über Jahre lang die Erzählung gehört, sie ist instabil, sie braucht Kontrolle, sie ist eine Gefahr für sich selbst. Und gleichzeitig wurde mit, Kaum derselben Lautstärke darüber gesprochen, dass Kontrolle auch ein Geschäftsmodell sein kann, dass da bestimmte Leute extremst davon profitiert haben von dieser Vormundschaft und dass eine Frau die arbeitet, verdient performt zur Ressource wird und dass ihr Widerstand dann als Symptom behandelt wird und nicht als verständliche Reaktion. Ja, oder wenn wir uns Clinton und Lewinsky angucken, ja? Wer kann sich noch dran erinnern Man merkt dass wir ein bisschen älter sind.

Also ein Präsident hat eine Affäre mit einem extrem riesigen Machtgefälle und wer wird dann da: irgendwie öffentlich verbrannt und lächerlich gemacht? Das ist Monika Lewinsky. Die wird ja... Die ist ja für eine ganze Generation eigentlich zur Witzfigur gemacht worden. Und Hillary Clinton, die wird zur kalten berechnenden Ehefrau gemacht, die entweder irgendwie in Anführungsstrichen zu dumm war oder auch zu machtgeil war, um zu gehen. Also das ist ja auch so das Narrativ was so in der Öffentlichkeit dann da dargestellt wurde. Und Bill Clinton, der bleibt ja erstaunlich lange... Einfach auch erstaunlich unbeschädigt. Also als ob er irgendwie dazu gezwungen worden ist. Es gab ein Amtsenthebungsverfahren, aber er, sein Ruf war längst nicht so geschädigt wie das von Ja immer noch irgendwie so der, der auch von so einer berechnenden Selbst nach diesen Epstein-Sachen Das finde ich ja so krass.

Genau. Und die Logik dahinter ist ja, Frauen werden moralisch aufgeladen, Männer bleiben irgendwie politisch handlungsfähig, Amtshebung ja, ja aber: trotzdem ist er irgendwie... Trotzdem auch sehr einflussreich. Der ist einflussreich und hat keinen, der hat eigentlich keinen schlechten Ruf. Nee, nach wie vor. Der halt der, der irgendwie der Affäre irgendwie auch Das ist ihm auch irgendwie so passiert, ne? Das ist ihm so passiert. Ja, Mensch. Warst nicht so einer Kammer drauf oder so? Nee, das war im Büro, also im Oval Office. Ja, ja aber war das nicht irgendwie auch mit so einer Kammer? Wo hab ich das denn her Nee ich glaub, du denkst an Boris Becker. Nee. Und der Besenkammer. Nee, irgendwie habe ich auch eine Besenkammer bei Clinton. Gibt es bestimmt auch im Weißen Haus. Egal, ja. Und es gibt auch mehrere Beispiele Genau ich habe noch ein Beispiel, was ein bisschen aktueller ist als ich bin. Amber Heard und Johnny Depp. Diese ganze Schlammschlacht vor Gericht.

Also das war halt auch krass, weil es gezeigt hat, auch wie digitaler Frauenhass heute als Entertainment funktioniert. Also da wurde und auch wieder da, da geht es nicht darum, wer hat was gemacht. Ich glaube, die sind beide, waren beide in: dieser Ehe haben sie sich nicht mit Ruhm bekleckert. Aber diejenige, die deutlich schlechter wegkam bei dem Ganzen war Amber Heard Und da wurde ja die Häme gegen sie im Netz nicht nur toleriert, sondern sogar zelebriert Ja, also. Also, und wie gesagt, es geht nicht darum, ob man zu dem Ganzen eine Meinung haben darf oder nicht, sondern es geht darum, wie das Internet sich eine Frau als Ziel aussucht und kollektiv Spaß daran hat, sie zu demütigen. Ja, genau, und ich würde das sogar noch alles ein bisschen mehr zuspitzen ja, diese Beispiele die zeigen, wie Frauen systematisch auf bestimmte Rollen auch festgelegt werden, ja, also Britney war die, naja, die irgendwie nicht ganz zurechnungsfähig war, die war psychisch krank oder so, ne, die war so, die war nicht zurechnungsfähig, Monika war die Verführerin.

Hillary war die Eisfrau, die machtgeile Eisfrau,: kalkulierbar und so weiter, Amber war die Lügnerin und sobald diese Rolle sitzt, wird alles, was sie tun, als Beleg dafür gelesen und das ist eine Art Erzähl Gefängnis schon fast, wo man so drin steckt. Ja Männer bekommen viel häufiger dann auch, also siehe Clinton, eine zweite, dritte und vierte Erklärung auch dafür oder auch eine Entschuldigung. Oder eine weitere Chance. Ja, und Frauen bekommen halt so ein Etikett. Und dann war es das auch, ja. Und wenn man das verstanden hat, finde ich dann sieht man auch beim Beckham-Fall plötzlich, ah, da geht es jetzt nicht nur um diese konkrete Familie, da geht es um eine Routine eigentlich, um ein öffentliches Bild, Frauen gegeneinander und Männer verschwinden aus der Verantwortung.

Und dann das Frau gegen Frau. Und das ist dann auch der Moment, wo es in unseren Alltag kippt Also, weil diese Muster ja nicht nur online passieren oder nicht nur Promis passieren, sondern das passiert in Arbeitsteams in: Familien, auch in Gemeinden. Ein Mann sagt, Nein oder sagt etwas öffentlich und irgendwer fragt welche Frau ihn dazu gebracht hat. Oder ein Mann verhält sich daneben und plötzlich wird die Partnerin gefragt, warum sie ihn nicht im Griff hat, in Anführungsstrichen. Und das ist so eine leise dauerhafte Form von Frauenverantwortung die auch einfach total erschöpfend ist. Weil du bist immer irgendwie verantwortlich Für das, was der Mann macht oder nicht macht.

Ja, total. Und weil wir jetzt so ältere Beispiele hatten. Und weil wir auch ältere Menschen sind. Weil wir uns heute ganz besonders alt fühlen. Weil wir eine Praktikantin haben heute. Und unsere Praktikantin Frieda ist in der achten Klasse und 13 Jahre alt und wollte mal hier, wir haben es heute schon von unserer besten Seite hier gezeigt, wollte mal so ein bisschen reinschnuppern, wie unser Arbeitsalltag: aussieht. Und da unser Arbeitsalltag eben auch aussieht dass wir Dinge ins Mikrofon quatschen, haben wir gedacht, Mensch Frieda, wenn du schon hier bist und eine Perspektive einer 13-Jährigen mit reinbringen kannst, dann sollten wir diese Chance nutzen und fragen dich mal, du hast uns jetzt hier so stillschweigend die ganze Zeit zugehört Und wir wollen ja nicht nur, wie alte Frauen hier erzählen sondern die Perspektive der jüngeren Generation ist uns wirklich wichtig. Deswegen, Frieda herzlich willkommen in unserem Podcast. Schön, dass du heute Praktikum bei uns machst. Danke, dass ich hier sein darf. Voll schön. Und wir haben mit dir vorher schon ein bisschen über das Thema gesprochen und so und du hast ein bisschen was erzählt. Und da dachten wir, Mensch, das wäre eigentlich ziemlich cool, wenn du ein bisschen erzählst.

Wenn du uns jetzt so zugehört hast von diesen Mustern Frauen gegen Frauen und auch wie Frauen ein Etikett bekommen und Männer da manchmal fein raus sind und so. Nun bist du in der Schule, in der achten Klasse, du spielst Fußball und was sind so deine Gedanken: dazu? Also als Mädchen ist es manchmal auch ein bisschen schwer, Fußball zu spielen, da ich mich persönlich, wenn ich zum Beispiel zum Training laufe, manchmal komisch angeguckt fühle. Weil vielleicht Männer denken, ein Mädchen auf dem Fußballplatz, was ist das denn? Weil das gibt es ja nicht häufig und nicht jeder Verein hat eine Mädchenmannschaft. Und viele Mädchen dürfen mit Jungs zusammen spielen. Ich habe das Glück, dass ich in einer Mädchenmannschaft spielen kann. Aber vor allem kriege ich das Frauen gegen Frauen mit, beziehungsweise Mädchen gegen Mädchen bei uns in der Schule.

Ein Beispiel ist zum Beispiel, dass meine Freundin von ihrer alten besten Freundin irgendwann runtergemacht wurde, weil sie zu dicke Oberschenkel hatte. Also hat sie nicht, aber das hat sie gesagt zu ihr oder dass ihre Ohren abstehen und sowas Und das ist ja auch ein Beispiel von Frauenhass Ja, also: das sprichst einen total wichtigen Punkt an, weil es ist halt eben nicht nur Männer gegen Frauen oder Männer, die so Narrative verbreiten, sondern das ist ja auch das Traurige daran, dass Frauen das auch in sich tragen und auch diese Bewertung und diese Beurteilung ja auch weiter mittragen. Und Mädchen das auch schon so früh lernen, also nicht irgendwie, weil sie das im Schulbuch so lesen, sondern weil man das so früh schon einfach so mit auf den Weg kriegt dass irgendwie auch Körper bewertet werden und kommentiert werden und bei Jungs das einfach nicht so häufig passiert. Also es passiert auch, du hast ja auch zwei Brüder Frieda.

Und da wirst du das ja auch mitkriegen. Also sie sind ja nicht ganz frei davon. Das will ich auch nochmal sagen, weil ich merke dann oft, wenn ich sowas auch als Beispiele erzähle und dann sind da Jungsmütter dabei und wir sind ja auch Jungsmütter: und du bist Schwester von Jungs und so. Also natürlich sind die nicht frei davon und da gibt es auch Muster und das ist auch, gerade ich war letztes Jahr beim Sportfest in einer Grundschule und das finde ich echt krass wenn Jungs unsportlich sind. Das ist auch einfach ziemlich hart. Ja das sind halt auch diese Rollen also diese Rollen die so früh schon transportiert werden. Wie haben Mädchen zu sein? Wie haben Jungs zu sein? Also wenn die zum Beispiel unsportlich sind, dann sind die halt keine… Richtigen Jungs oder Mädchen, wenn sie nicht einen gewissen Style haben oder ein gewisses Aussehen, dann sind das keine guten, also keine echten Mädchen.

Und wie früh das schon transportiert wird und wie früh schon dieses Schubladendenken schon etabliert ist. Ja. Also bei uns in der Grundschule war auch so, also so habe ich mich manchmal gefühlt, dass wenn man zu laut ist als Mädchen, ist es auch so,: dann ist man nicht so ein richtiges Mädchen weil Also dann war irgendwie in den Köpfen von sehr vielen, dass Mädchen ruhig sind, dass sie einfach Ja sagen, dass sie nicht ihre eigene Meinung äußern sondern einfach, wenn ein Junge zum Beispiel sagt, komm, wir spielen jetzt Fang, dann sagst du Ja und sagst nicht Nein, ich habe keine Lust auf Fangspielen zum Beispiel. Ah, mit der Lautstärke ist auch interessant. Im letzten Podcast zu Scham haben wir ja auch mit Sarah Marie Blom über Lautstärke geredet und das ist auch interessant, weil Lautstärke verrät auch die soziale Herkunft, hat sie da gesagt. Also je höher du akademisch gebildet bist, desto stiller bist du auch. Und dann kommt noch der Mädchenaspekt dazu, Mädchen haben sowieso nicht laut zu sein. Ja ist krass Grundschule hast du gesagt? Also jetzt nicht mehr, aber in der Grundschule habe ich mich so gefühlt. Ja, ich kann mich auch noch erinnern dass das nicht so gern gesehen wird, wenn man als Mädchen laut ist.

Ich glaube, wir haben so in der sechsten Klasse unsere: ersten Kohlsuppendiäten gemacht. Das war auch schon sehr früh. Boah, war das widerlich. Und zu Hause habe ich mir das dann kochen lassen. Und man durfte es auch nicht richtig würzen. Es durfte irgendwie kein Salz reintun. Um sich auch noch mal mehr zu quälen. Du hast auch Kohlsuppendiet, gell Ja, natürlich. Nicht in der Grundschule aber so mit 13, glaube ich. Frieda kennt man heute auch noch Kohlsuppendiet? Nein. Ah ja, guck mal wenn sie guckt so unglaublich. Boah ey, wir können dir Geschichten erzählen als Millennial-Frauen, was wir uns damals alles anhören mussten.

Was dick ist und danach halt auch inakzeptabel Aber das ist doch heute auch noch so. Wenn du gerade sagst da wurden die Oberschenkel kommentiert. Ja, aber welche Methoden auch dann dafür verwendet werden, um eben, also wirklich Hunger-Diäten mit als Teenagerin das war... Ja, also vor allem das Kommentieren von Körpern ist bei uns oft von der: Seite von Freundinnen auch, also dann sind es nicht unbedingt die guten Freundinnen, aber Leute, denen man eigentlich nachsteht und dann soll das quasi als nett gemeintes Kompliment rüberkommen, deine Oberschenkel sind so dick aber es ist kein nettes Kompliment. Also so in Anführungsstrichen wohlwollend ne? Ich geb dir jetzt mal. Wäre jetzt ganz gut, wenn du deine Oberschenkel ein bisschen einziehen könntest glaube ich so als kleiner Tipp. Im Bauch geht es ja ein bisschen, aber Oberschenkel einziehen, das habe ich noch nicht gemeistert. Was man alles als Frau können muss, ne? Oberschenkel einziehen. Ja, Frieda vielen lieben Dank. Dankeschön. Jetzt fühlen wir uns gleich wieder 30 Jahre jünger Ich fühle mich definitiv ein bisschen cooler. Schön, toll.

Ja, und wir wollten ja nicht nur über Popkultur und die Backhams sprechen, sondern es ist ja auch aufgrund des Feministischen Kampftags oder auch Weltfrauentag, gibt es: eben auch den Weltgebetstag. Und den wollten wir auch noch in dieser Folge mit in den Blick nehmen. Also Weltgebetstag der Frauen, vielleicht nochmal kurz zur Erklärung. Für manche ist das auch so ein fester Termin im Kirchenjahr eigentlich auch, für andere ist das komplett unbekannt. Und der Weltgebetstag, der ist eine weltweite ökumenische Bewegung, die seit über 100 Jahren existiert. Die Grundidee die ist, Frauen aus einem bestimmten Land bereiten für ein Jahr die Liturgie vor, also Texte Gebete Lieder, thematische Schwerpunkte. Und Frauen in vielen Ländern der Welt feiern diesen Gottesdienst am selben Tag. Und auch... Ja, so zu derselben Zeit und so. Und dazu gehören oft auch so Bildungsanteile. Also man kann auf der Seite von denen, verlinken wir euch auch, kann man ganz viel Bildungsmaterial bestellen. Ja, man lernt dann was über das Land, über die politische Situation, über die Lebensrealitäten von Frauen.

Es gibt Spenden, die: in Projekte gehen. Und historisch war das für viele Frauen einer der wenigen Räume, in denen sie überhaupt gestalten leiten theologisch sprechen und öffentlich auftreten konnten. Also es hat schon auch eine richtig wichtige Bedeutung und eine Geschichte. Und das ist auch wirklich wichtig. Das ist nicht nur so ein netter Frauengottesdienst. Ja, das ist Teil von Frauenkirchengeschichte, von Frauenbewegung innerhalb von, Kirchlichen Strukturen weltweit. Ja und das macht es halt eben auch ambivalent, weil das muss man ja auch würdigen da steckt so viel Energie, so viel ehrenamtliche Arbeit, so viel Herz drin und gleichzeitig ist der Weltgebetstag auch nicht im luftleeren Raum entstanden.

Er ist historisch verbunden mit Missionsbewegung und Mission ist auch wiederum historisch auch nicht komplett Trennbar von Kolonialismus, also von Macht, von Kulturüberlegenheit in Anführungsstrichen und von wie dieses Wir bringen euch etwas. Und: das heißt nicht, der Weltgebetstag ist schlecht per se, aber es heißt, es gibt Altlasten und Muster die man sich anschauen muss, wenn man heute feministisch und global solidarisch sein will. Genau, und ein Punkt dabei ist eben so eine Geber-Innen-Empfänger-Innen-Logik die manchmal ganz unbemerkt auch so mitschwingt Also der globale Norden informiert sich und feiert und spendet und der globale Süden erscheint als Ort der Probleme, als Ort des Leids und der Bedürftigkeit. Und das ist eine Form von Erzählung die Und ja, irgendwie auch sehr, die gibt uns halt auch ein gutes Gefühl, so wir feiern jetzt hier den Weltgebetstag der Frauen, weil die Helfenden moralisch ja auch bestätigt werden und weil sie uns nicht dazu zwingt unbedingt zu fragen, welche Strukturen haben wir eigentlich mit aufgebaut, wie hängen wir wirtschaftlich, politisch historisch zusammen.

Und ich finde, feministisch wird es genau da, wo wir bereit: sind, uns selbst als Teil des Problems zu sehen und nicht nur eben so als Teil der Lösung. Und da muss ich auch nochmal sagen, um auch diese ganze Bewegung auch nochmal so ein bisschen in den Schutz zu nehmen, also die Theorie, da wird es schon ganz bewusst Das ist doll auch so gemacht, ja. Das ist, die OrganisatorInnen, die geben sich da echt Mühe, die wollen auch rassismuskritisch das Ganze beleuchten und so. Und das ist so ein bisschen wie bei den Sternsingern, ja. Also in der Organisation und in der Theorie läuft das alles auch zum Großteil rassismuskritisch, aber in der Basis ist es halt oft so wie bei den Sternsingern.

Da sind jetzt Menschen, die machen das schon seit 30 Jahren, die haben auch keine Lust da oder haben auch nicht den Blick oder auch nicht die Möglichkeiten, sich da rassismuskritisch zu hinterfragen. Da gibt es viel Widerstand und so auch, ja. Und wenn man sich zum Beispiel jetzt für 2026 den Weltgebetstag der Frauen anguckt, das Land ist diesmal Nigeria, das Motto, das offizielle ist der deutsche Titel: lautet, kommt, bringt eure Last, also angegliedert an ein Bibelwort aus Matthäus.

Und rassismuskritisch kann es jetzt auch eben kritisch werden, wenn Nigeria vor allem über Last, ja, also das Wort in dem Bibelwort ist ja schon Last und Nigeria, ja, also Gefahr und Konflikt werden so erzählt und das kann, muss nicht, aber es kann bei einem westlichen Publikum schnell Mitleid, schnell so die Single Story und auch so einen subtilen Savirismus triggern ja, und gleichzeitig ist das so ein wichtiger Gegenpol auch eben angelegt ja, in dieser ganzen Weltgebetstag Bewegung auch der Frauen dass die Liturgien, die Materialien die werden ja von nigerianischen Frauen verantwortet und als Einladung auch formuliert, ihre Stimme und ihre Deutungen zu hören, ja, und das kann gut moderiert auch er eben dann auch in in was sehr, sehr guten Münden auch, ja, und nicht in dieses Narrativ verfallen, wir retten: euch und trotzdem ist meine Erfahrung jetzt nur bei den, bei Sternsingern und auch bei Weltgebetstag, wenn ich das manchmal so beobachte und auch sehe, was machen da einzelne Gemeinden und so Es fällt halt sehr, sehr leicht in so eine, also das ist wirklich echt schwer, weil es sehr leicht in so eine Savior-Ecke auch abdriftet. Ja, und dieses White- oder Western-Saviorism, das klingt halt wie so eine Keule, aber eigentlich beschreibt es ja etwas sehr Alltägliches. Hilfe fühlt sich gut an. Hilfe gibt mir Sinn, gibt Identität. Und wenn Hilfe aber zum Zentrum der eigenen Geschichte wirkt Dann bleibt Macht eben unangetastet. Und dann erzählt man die Welt so, dass man selbst die Handelnde bleibt und die anderen die Empfangenden.

Die Empfangenen? EmpfängerInnen. Oder Empfangende, genau. Ja, und wie gesagt, das ist kein Vorwurf an einzelne Ehrenamtliche, das ist ein strukturelles Problem. Und gerade wenn man, und das ist ja häufig auch bei: den Leuten, die bei dieser Bewegung oder bei diesem Gottesdienst mitmachen und bei den Veranstaltungen, die da mit zusammenhängen, die handeln ja auch aus einer feministischen Motivation heraus Und wenn man Feminismus international denken will, solidarisch denken will, muss man sich auch immer fragen, wer hat Deutungshoheit? Wer entscheidet welche Bilder gezeigt werden? Wer legt die Sprache fest? Wer sitzt in den Gremien Wer sitzt in diesen Organisationsteams Wer in Organisationsteams? Ja genau, also so ein rassismuskritischer Umgang der wäre dann irgendwie so, dass ich auch die Partnerschaft auf Augenhöhe, sagt man ja so schön, aber das wäre so ein reifer feministischer Umgang irgendwie damit, dass man das auch ernst nimmt, dass man nicht irgendwie wir berichten über euch das so nach dem Motto laufen lässt, sondern eher ihr selbst erzählt.

Und so machen sie das ja auch, also auch wenn man sich die Website des Weltkriegs: anguckt, also so ist das auch gedacht. Und dann, dass man nicht auch, also dass man so Exotisierung auch vermeidet, das wäre nochmal wichtig für die Basis so und nicht dieses schaut mal, wie die Frauen dort leben, sondern politische Analyse auch mit rein nimmt. Ja, also was sind die Kämpfe, was sind die Strategien, wie sieht Widerstand aus, was sind die Erfolge und dass man dann positiv. Genau ja, ja genau. Also und dann, dass man dann eben auch nochmal guckt wie kann man auch. So Spendenkommunikation, denn das ist meistens so der Punkt, den ich erlebe wo es echt kippt Wie kann man da Spendenkommunikation auch neu denken?

Nicht als wir retten, sondern als solidarische Umverteilung und gemeinsame Verantwortung. Und vielleicht ist dann auch so, letztendlich ist das vielleicht dann auch am Ende das Schwerste, dass man dann auch die Kontrolle abgibt. Also aushalten, das tun wir auch in der VEM, dass globale Solidarität nicht bedeutet, dass: wir die Dramaturgie bestimmen. Und das tun sie in ihren Materialien ja letztendlich auch. Aber wir wollen ja auch darüber reden, weil auch viele Leute uns von der Basis hören. Also es ist ja alles gar kein Appell an die Verantwortlichen vom Weltgebetstag, sondern echt auch nochmal, wir veröffentlichen ja eine Woche bevor dieser Weltgebetstag der Frauen ist, dass man da auch sich nochmal, wenn man an der Basis sowas zu verantworten hat, auch da nochmal auf diese Punkte so schaut. Und da schließt sich ja auch der Kreis, ne? Also... In beiden Fällen, ob wir jetzt Beckham und die Promis und so weiter und auch beim Weltgebetstag, in beiden Fällen geht es um Erzählmacht. Also wer bestimmt das Narrativ? Also bei den Beckhams, wer wird zur Ursache erklärt, wer wird moralisch bestraft und beim Weltgebetstag, wer darf Subjekt sein, wer bleibt Objekt?

Und feministisch gesehen auch die Frage, können wir Geschichten so erzählen dass Verantwortung sichtbar wird und Menschen nicht: zu Rollen reduziert werden? Amen, Schwester. Können wir ja gleich zum Herzchen kommen, nicht wahr? Etwas fürs Herz. Sagt dir der Chaos Computer Club etwas? Nein, gar nichts. Also, gar nichts?

Chaos Computer Club, nee, das klingt für mich so wie so LAN-Partys früher. Also du bist gar nicht so weit weg. Ja? Also, es ist ein Hacker-Kollektiv auch in den 80ern, glaube ich, oder gibt es schon wirklich Jahrzehnte, also gibt es schon richtig lange. Okay. Und das ist so ein Kollektiv von HackerInnen und die gehen halt auch wirklich strategisch vor, meistens gegen machtvolle Unternehmen zum Beispiel und Strukturen und da habe ich heute ein Beispiel mitgebracht und zwar… Geht es darum, das ist jetzt auch schon ein bisschen länger her, aber auch relativ aktuell angesichts dessen worüber: wir heute sprechen. Also es gab, einmal im Jahr veranstaltet dieser Chaos Computer Club den Chaos Communication Kongress. Und Ende letzten Jahres, also Ende 2025, fand der in Hamburg statt. Und da gab es eine Einheit mit dem Titel The Heartbreak Machine – Nazis in the Echo Chamber. Und auf der Bühne war eine Person unter dem Pseudonym Martha Root und sie war verkleidet als Pink Power Ranger. Das gefällt mir ja schon. Power Rangers ist ja auch so ein Ding meiner Kindheit. Ja das wäre auch ein schönes Kostüm Also wenn ich Karneval gefeiert hätte... Dann sagt die Person, die in Köln Hello gesagt hat, das werde ich nie vergessen. Das habe ich ihr im Podcast gesagt. Ich habe in Köln Hello gesagt. Ich Karnevalistin, ich.

Aber dann wäre ich pinker Power Ranger und würde in Köln Alarv sagen.: Ja, das wäre ja auch richtig. Ich wollte nur nochmal sagen, dass ich das jetzt weiß. Also Pink Power Ranger war sie gekleidet auch mit Helm und allem. Ist ja auch wichtig, gerade für diese HackerInnen, dass sie anonym bleiben. Und aber es war halt eben nicht So wie Frieda übrigens. Frieda heißt ja gar nicht Frieda Aber es war halt eben nicht nur so eine Show, die war da nicht nur lustig verkleidet sondern. Sie hatte nach eigener Darstellung über Monate drei rechtsextreme Plattformen Online-Plattformen infiltriert und dokumentiert. Also das eine war White Date, eine Dating-Website für White Supremacists auch Tinder für Nazis genannt Ich wollte gerade sagen, das klingt so nett für White Supremacists.

Nein, es ist ein richtiges Tinder für Nazis, also White Date, der Name sagt ja schon was. Dann auch ganz skurril oder wirklich White Child.: Wo in rechtsextremen Milieus Kontakte rund um in Anführungsstrichen weiße Samen und Eizellspenden und Kinderwunsch vermittelt werden, wurden, wurden kann man sagen. Das ist so richtig Nazi, ne? Und White Deal, das war so eine Job- und Marktplatz-Seite, wo, also quasi White Supremacist LinkedIn kann man sagen, oder oder ja, auf der offen rassistische, auch queerfeindliche und so weiter Inhalte, also so eine Jobvermittlungs- und Marktplatz-Seite. So, und dann... Hat sie aber auch erzählt, dass diese Seiten technisch gesehen erschreckend schlecht abgesichert waren, ja, also sie konnte über diese Monate, wo sie das infiltriert hatte, auch sich ein Abbild der Daten sichern können und hat dann daraus in Zusammenarbeit mit JournalistInnen auch Recherchen geführt.

Und dann kommt halt dieser Moment auf dem Chaos-Communication-Kongress, sie öffnet auf der: Bühne ihr Terminal also ihre, man merkt dass ich selber nicht so viel Ahnung davon habe, also sie öffnet ihr Terminal, zeigt, dass sie, keiner gemerkt, nein, ich bin voll die Hackerin, sie zeigt, das Power Ranger, Martha Root c'est moi, sie zeigt halt, dass sie da Zugriff hat und während ihrer Einheit, also während des Talks hat sie diese Plattform So weit außer Betrieb gesetzt, also die hat die quasi vom Netz genommen, dass sie danach nur noch Fehlermeldungen beziehungsweise leere Verzeichnisse zu sehen war. Und es war ultra öffentlichkeitswirksam, also sie hat das quasi live gemacht, diese Seiten vom Netz genommen. Und es war halt auch so ein richtiges Entzaubern. Also diese Seiten, diese Echokammern wirken halt mächtig, aber sie sind halt oft richtig schlampig gebaut und leben auch davon, dass niemand so genau hinschaut.

Und das ist halt das, was ich daran so: stark finde. Es war halt eben nicht so ein Haha gelöscht so ein Prank, sondern es war auch wirklich eine politische Aktion. Und weil diese Seiten waren wirklich Infrastruktur für rassistische Vernetzung, Dating, Fortpflanzungsfantasien Also diese reine Ideologie sollte dort weitergeführt werden, Jobkontakte werden vermittelt, Jobs werden vermittelt und plötzlich wird das unterbrochen. Diese Räume sind eben nicht unangreifbar und das hat sie damit gezeigt und das löst natürlich auch trotzdem Debatten aus, die ja auch wichtig sind, also ethisches Hacken Grenzen von zivilem Ungehorsam auch digitalen zivilen Ungehorsam Umgang mit Leaks und Datensicherheit und so weiter und so fort.

Aber in dem Moment von Gegenwehr ist das halt wirklich etwas, was mein Herz berührt hat und es zeigt halt auch einfach, jemand ist da, setzt die Fähigkeiten die sie hat ein,: um Hassinfrastruktur zu stören und zeigt einfach, wir sind diesem ganzen Online-Hass auch einfach nicht unbedingt. Hilflos ausgeliefert. Wie schön dann auch so im Kostüm von einem pinken Power Ranger, das finde ich auch nochmal. Ich, ja, ich bleibe auf jeden Fall zurück mit diesem pinken Power Ranger Kostüm im Kopf und ja, vielleicht nochmal für euch so das Fazit zum feministischen Kampftag wie wir ihn nennen wollen. Misstraut einfachen Geschichten. Also besonders den Geschichten, die sich auch so gut anfühlen. So wie du das gerade auch beschrieben hast. Du hast Memes hin und her geschickt und so. Und ich bin ja auch, also in dem Fall habe ich keine Memes hin und her geschickt, aber ich bin da ja auch sehr anfällig für dann auch. Und vor allem misstraut den Geschichten, in denen es irgendwie eine böse gibt und eine gute.

Und dann ist die Welt dann irgendwie auch wieder in Ordnung, weil das Patriarchat liebt einfache Geschichten. Und es liebt es besonders, wenn: Frauen diese Geschichten irgendwie dann auch so gegeneinander ausspielen. Das haben wir von Frieda gehört, das passiert schon in der Grundschule und in der achten Klasse und so. Und das ist uns einfach so vertraut und bleibt da einfach misstrauisch. Und wir wollen ja nicht im Zynismus enden Wir sind jetzt leider am Schluss angekommen, sondern wir wollen in Handlungsfähigkeit ändern. Wir können lernen, anders hinzuschauen Im Netz, in unserer Arbeit, in unseren Familien, in unseren FreundInnen-Kreisen, in unseren kirchlichen Formaten.

Und ich meine, wenn ihr den Weltgebetstag feiert, feiert ihn. Aber nehmt euch auch diese Freiheit, ihn gerechter und partnerschaftlicher zu gestalten. Das ist keine Störung, sondern das ist Wachstum. Ja, so wie der Begriff feministischer Kampfschank. Das ist keine Kampfansage, doch dem Patriarchat gegenüber, aber nicht eine Kampfansage gegenüber Männern In diesem Sinne ihr Lieben bleibt sanft und: liebevoll und bleibt kritisch und es ist schön, euch zu haben. Habt's fein. Feministische Grüße gehen raus in den März Bis bald. Tschüss.

Tschüss. Mit dem Podcast wollen wir dazu beitragen, Kirche zu einem sichereren Ort zu machen. Daher versuchen wir, unterschiedliche Perspektiven hörbar zu machen und wissen gleichzeitig, dass wir nie alle Perspektiven abbilden können. Wenn ihr das für eine gute Idee haltet und uns darin unterstützen wollt, schreibt über uns auf euren Social-Media-Kanälen oder lasst uns eine: Bewertung bei Spotify oder iTunes da. Danke für eure Unterstützung, fürs Reinhören und vor allem für all die Menschen, die den Podcast inhaltlich und persönlich mit Beiträgen bereichern. Bis dahin mit den besten Grüßen von der VEM aus Wuppertal

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.